10.3.26

WINDSCHIEF B130

Um welches Buch ging es am 06. 03. 26?
 
Russische Spezialitäten

Wer hat es geschrieben? 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dmitrij Kapitelman wurde in Kiew in der damaligen Ukrainischen Sowjetrepublik geboren. Im Alter von acht Jahren kam er mit seiner Familie nach Deutschland. Er wuchs in Leipzig auf. Kapitelman studierte Politikwissenschaft und Soziologie und absolvierte anschließend eine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München.

 

Der Inhalt: 

Nachdem die Eltern ihre Ersparnisse aus Kiew in Aktien gesteckt hatten, die leider keine Rendite brachten, eröffnen sie mit den letzten zweitausend Mark das „Magasin“, einen Laden für russische Spezialitäten. Dort hilft der Sohn aus und in diesem Laden finden sich viele Menschen ein, die den Spezialitäten aus der ehemaligen Sowjetunion nachhängen. Und er versucht, sich durchzumogeln, sich nicht anmerken zu lassen, dass sein Russisch nicht ausreicht, um sicher kommunizieren zu können. Weder der Laden noch die Umgebung sind sonderlich heimelig und obendrein ist der Sohn mit einer Mutter geschlagen, die die Propaganda Putins für die einzig richtige Wahrheit hält und der Ukraine die alleinige Schuld gibt für den Krieg.

Im zweiten Teil reist Dmitrij (Sajka, Sinok, Sinatshka) in die Ukraine, um sich ein Bild zu machen und um Freunde zu treffen und vorsichtig zu lavieren unter Menschen, die im Gegensatz zu ihm Ukrainisch sprachen und das Russische, seine Muttersprache lieber nicht hören wollten.

 

Fazit:

Wir haben lange über das Buch gesprochen, manche fanden es zäh, brachten es nicht zu Ende, fanden den Humor nicht überzeugend, die Atmosphäre im postsowjetischen Laden zu deprimierend. Aber das Thema der Zweisprachigkeit, dem er im Buch immer wieder nachspürt und der Zerrissenheit, die sich einstellt, wenn seine Mutter die Seite der russischen Aggressoren einnimmt und er sie liebt.

 

Zitat:

Mutter und Sohn sehen im Fernsehen Putin bei einem Staatsbesuch in China, bei dem er sich als viriler Haudrauf geriert und dafür gefeiert wird.

„Ich schaue zu Mama. Wie ängstlich muss man sein, um die Welt nur aus dieser totalitären fernsehrussischen Sicht betrachten zu wollen? Wie schwach? Denn das ist Gewalt im Kern immer: Schwäche.“

 
Was bleibt nach dem Lesen?
 

Eine unermesslich große Lust auf ein PLOMBIR-EIS.

 

Und wieder Mal:

Ein Abend der besonderen Art. Vielleicht, weil wir alle unsere Beschwernisse mit an den Tisch brachten. Wir schoben es auf die Frühjahrsmüdigkeit. Aber es wurde ein wunderbarer Abend.  

Ein Hoch auf den Koch und Bäcker des spektakulären Shokupan, einem Trostbrot der besonderen Art.

Diejenige, die nicht dabei waren, haben wir sehr vermisst.

 

(Großer Dank an D. E. für die Texte.)

 

Die Vorschläge zum nächsten Treffen am 03. April um c. t. 19
:00. 

 

J. K.: next time absent

A. P.: next time absent

D. E.: Ian McEwan - Was wir wissen können (tsu fätt)

P. P.: Rudger Bregman - Moralische Ambitionen 2.0

R. W.: Gisèle Pelicot - Eine Hymne an das Leben

K. M.: Lars Gustafsson - Nachmittag eines Fliesenlegers

 

AND the winner is:  

Gisèle Pelicot - EINE HYMNE AN DAS LEBEN

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Buch geht herum 02: (Idee von A. P :-)

Anke Feuchtenberger - Der Spalt

heute ging es in der Runde an R. W. & P. P. 


 

 

 

15.2.26

WINDSCHIEF

 AHA!


7.2.26

WINDSCHIEF B129

Um welches Buch ging es am 06. 02. 26

Die Bestie von Paris und andere Geschichten
 

Wer hat es geschrieben? Marie-Luise Scherer  


Marie-Luise Scherer wurde 1938 in Saarbrücken geboren. Sie war eine deutsche Journalistin und Essayistin. Ihre Texte zeichnen sich durch präzise Beobachtung aus. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Ludwig-Börne-Preis. 

Marie-Luise Scherer starb 2022 in Hamburg. 

 

 

Der Inhalt: 

Scherer beherrscht die Kunst der Reportage. In diesem Buch sind es vier. Die Bestie von Paris, Der letzte Surrealist, Dinge über Monsieur Proust, Kleine Schreie des Wiedersehens. 

Am liebsten mochten wir: 

Die Bestie von Paris

In der längsten und titelgebenden Reportage rekonstruiert Scherer die Taten eines Serienmörders, der in den 1980er Jahren in Paris ältere alleinlebende Frauen ermordete. Ohne zu dramatisieren beschreibt sie sachlich, gekonnt und haargenau die letzten Wege der Opfer. Beängstigend gekonnt.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kleine Schreie des Wiedersehens

Hier schildert Scherer eine Reihe kurzer Szenen über das Wiedersehen mit Menschen der Pariser Modewelt. Sezierende Beobachtungen mit sehr viel Humor für die Essenz der Oberflächlichkeiten. Bravissimo.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fazit:

Die zwei anderen Geschichten fanden wir dröge. 

Insgesamt ist Scherers Stil geprägt von Haltung, Disziplin und Respekt vor der Wirklichkeit. Sie will nichts überwältigen, nichts verführen, nichts erklären, was sich zeigen lässt. Das macht die Texte anspruchsvoll, konzentriert und ungewöhnlich präzise. 

Man liest sie nicht schnell mal so weg und vergisst sie auch nur langsam - wenn überhaupt.

 

Falls verschenken? Wem?

Alle, die gern brilliant formulierte Reportagen lesen - aber auch den anderen. 

 

Was bleibt nach dem Lesen?
 

Erinnerung an die Opfer der Mörder und an die Modeopfer.

 

PS: Das Bonmot des Abends gehört J. K.: RoNelle

Was ist der Unterschied zwischen Roman und Novellle? Keine Ahnung. O.k., dann ist es eben eine RONELLE. 


Die Vorschläge zum nächsten Treffen am 06. März um c. t. 19
:00. 

 

J. K.: Dmitrij Kapitelman - Russische Spezialitäten

A. P.: Mariana Travacio - Ein Mann namens Loprede

D. E.: Sophie Hunger - Walzer für Niemand 

P. P.: Rudger Bregman - Moralische Ambitionen

R. W.: Timothy Snyder - Über Tyrannei

K. M.: Christof Hein - Der fremde Freund 

S. B.: Truman Capote - Sommerdiebe

A. B.: - next time absent (vermutlich)


UND der Gewinner ist:  

Dmitrij Kapitelmann - Russische Spezialitäten

 

Russische Spezialitäten

 

Ein Buch geht herum 01: Idee von A. P :-)

Anke Feuchtenberger - Der Spalt

heute ging es in der Runde an D. E. 


 

 

 

4.1.26

2026 - WINDSCHIEF B128

• 2026 •

  

Um welches Buch ging es am 02. 01. 26

Die Holländerinnen

 

Wer hat es geschrieben? 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dorothee Elmiger ist eine Schweizer Schriftstellerin, geboren 1985. Sie studierte Literatur am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel/Bienne und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig sowie Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft an der Universität Luzern und der Freien Universität Berlin. Elmiger lebte lange in Zürich und zog 2022 nach New York. 

Der Inhhalt in paar Sätzen oder worum ging es?  

In „Die Holländerinnen“ erzählt Dorothee Elmiger von einer Schriftstellerin, die im Rahmen eines Theaterprojekts mit einer Gruppe in den Dschungel Panamas reist, um die Spuren zweier junger niederländischer Frauen nachzugehen, die dort verschwunden sind. 

Fazit:

Selten waren die Meinungen so gespalten.

Diejenigen, die es mochten, argumentierten beispielsweise mit: 

„Es ist kein Roman, der etwas lösen will, sondern etwas offenlegt.” Es geht um die Gewalt des Erzählens selbst, um unsere Gier nach Geschichten und unsere Lust an fremdem Leid, solange es gut verpackt ist. Dieses Buch hält uns keinen Spiegel vor, sondern reißt ihn uns aus der Hand. Spannung und Ängste werden geschickt erzeugt.
 

Denjenigen, die es nicht mochten: 

Der Text sei eine Zumutung, der Konjunktiv sei unverdaulich und sperrig, es sei zu viel auf einmal gewollt, es komme kein einziger neuer Gedanke vor, die Geschichte sei uninteressant, die Autorin wolle um jeden Preis intellektuell sein, das sei unerträglich, statt Identifikation entstehe Distanz, statt Handlung gebe es eine permanente Selbstbefragung des eigenen Blicks. 

Wer hier nach True Crime sucht, bekommt Ethikunterricht. 

Im Grunde kann man sagen, dass genau das, was manche nicht mochten, von den anderen als großartig erachtet wurde.

Falls verschenken? Wem?

Für - weiß ich nicht! 

Was bleibt nach dem Lesen?


Schweigende Leere oder Begeisterung.

 

Die Vorschläge zum nächsten Treffen am 06. Februar um c. t. 19
:00. 

 

D. E.: Ursula Krechel - Vom Herzasthma des Exils

P. P.: Florentine Anders - Die Allee

R. W.: Marie-Luise Scherer - Die Bestie von Paris und andere Geschichten

A. B.: Caroline Wahl - Die Assistentin eigentlich das Gewinnerbuch, doch da manche/r von uns das Buch gerne gehört hätte, haben wir uns über die Hörprobe so sehr erschrocken (schlimm), dass wir uns dagegen entschieden haben. (Caroline Wahl hat es selbst gelesen.)

C. K.: - (next time absent)


UND die Gewinnerin ist:  

 Marie-Luise Scherer - Die Bestie von Paris  

Die Bestie von Paris und andere Geschichten