Um welches Buch ging es am 06. 02. 26?
Die Bestie von Paris und andere Geschichten
Wer hat es geschrieben? Marie-Luise Scherer
Marie-Luise Scherer wurde 1938 in Saarbrücken geboren. Sie war eine deutsche Journalistin und Essayistin. Ihre Texte zeichnen sich durch präzise Beobachtung aus. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Ludwig-Börne-Preis.
Marie-Luise Scherer starb 2022 in Hamburg.
Der Inhalt:
Scherer beherrscht die Kunst der Reportage. In diesem Buch sind es vier. Die Bestie von Paris, Der letzte Surrealist, Dinge über Monsieur Proust, Kleine Schreie des Wiedersehens.
Am liebsten mochten wir:
Die Bestie von Paris
In der längsten und titelgebenden Reportage rekonstruiert Scherer die Taten eines Serienmörders, der in den 1980er Jahren in Paris ältere alleinlebende Frauen ermordete. Ohne zu dramatisieren beschreibt sie sachlich, gekonnt und haargenau die letzten Wege der Opfer. Beängstigend gekonnt.
Kleine Schreie des Wiedersehens
Hier schildert Scherer eine Reihe kurzer Szenen über das Wiedersehen mit Menschen der Pariser Modewelt. Sezierende Beobachtungen mit sehr viel Humor für die Essenz der Oberflächlichkeiten. Bravissimo.
Fazit:
Die zwei anderen Geschichten fanden wir dröge.
Insgesamt ist Scherers Stil geprägt von Haltung, Disziplin und Respekt vor der Wirklichkeit. Sie will nichts überwältigen, nichts verführen, nichts erklären, was sich zeigen lässt. Das macht die Texte anspruchsvoll, konzentriert und ungewöhnlich präzise.
Man liest sie nicht schnell mal so weg und vergisst sie auch nur langsam - wenn überhaupt.
Falls verschenken? Wem?
Alle, die gern brilliant formulierte Reportagen lesen - aber auch den anderen.
Was bleibt nach dem Lesen?
Erinnerung an die Opfer der Mörder und an die Modeopfer.
PS: Das Bonmot des Abends gehört J. K.: RoNelle
Was ist der Unterschied zwischen Roman und Novellle? Keine Ahnung. O.k., dann ist es eben eine RONELLE.
Die Vorschläge zum nächsten Treffen am 06. März um c. t. 19 :00.
J. K.: Dmitrij Kapitelman - Russische Spezialitäten
A. P.: Mariana Travacio - Ein Mann namens Loprede
D. E.: Sophie Hunger - Walzer für Niemand
P. P.: Rudger Bregman - Moralische Ambitionen
R. W.: Timothy Snyder - Über Tyrannei
K. M.: Christof Hein - Der fremde Freund
S. B.: Truman Capote - Sommerdiebe
A. B.: - next time absent (vermutlich)
UND der Gewinner st:
Dmitrij Kapitelmann - Russische Spezialitäten



