10.3.26

WINDSCHIEF B131

Um welches Buch ging es am 03. 04. 26?
 
Die Scham muss die Seite wechseln. Eine Hymne an das Leben.
 

Wer hat es geschrieben?  


 

Gisèle Pelicot zusammen mit Judith Perrignon. 

In der deutschen Übersetzung von Patricia Klobusiczky. 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Inhalt: 

   

Diesmal war unsere Wahl auf ein Buch gefallen, weil es uns bedeutsam erschien, auch wenn wir das Thema beklemmend fanden. Von der Lektüre waren wir beeindruckt, von Gisèle Pelicot, die erzählt, wie sie aus ihrem Leben stürzt, als ihr von der Polizei Bilder vorgelegt werden, die belegen, dass ihr Mann sie jahrelang betäubt und sie vergewaltigt und anderen Männern zur Vergewaltigung angeboten hat. Eine Frau, die von ihrem Leben mit ihrem Mann und ihrer Familie berichtet, die glaubt, sie führe eine glückliche Ehe. Sie lässt uns teilhaben an ihrer Vergangenheit, an den Verwerfungen, die die gesamte Familie treffen, nachdem ihr Mann verhaftet wurde und Taten und Täter ermittelt wurden. 

Über ihren Fall wurde weltweit berichtet, in ihrem Buch erzählt sie, wie ihr Leben verlief, ihre Kindheit, wie sie in jungen Jahren auf ihren Mann traf und wie sie sich zusammentaten mit dem unbedingten Willen, ein gutes Leben, ein glückliches Familienleben zu führen. Und sie lässt uns teilhaben an ihrem Weg, den sie nimmt, mit all den Erschütterungen, bis sie sich schließlich den Strapazen eines Gerichtsverfahrens stellt, gegen ihren Ehemann und fünfzig weitere Männer, bei dem sie klarstellt, dass sie es öffentlich geführt wissen will. 


Die Scham muss die Seiten wechseln, dieser Satz ist seither unzählige Male zitiert worden. Gisele Pèlicot hat eine große Kraft gezeigt, mit der sie ihren Weg gegangen ist und das Buch, in dem sie ihren Weg schildert, hat uns bewegt und tief berührt.

 

S. 255: Heute weiß ich, dass meine Liebe einem tiefen Riss in mir entspringt und dass sie mich verwundbar macht. Aber ich bin bereit, dieses Risiko weiterhin einzugehen. Denn die Liebe ist zugleich meine mächtigste Rüstung. 

 

An seinem letzten Verhandlungstag erklärte der Täter er habe „eine unbeugsame Frau unterwerfen“ wollen. 

 

Nun - der Rest ist Schweigen.

(Text von D. E. - großen Dank dafür) 

 

Fazit: *****

Sie hat Menschen weltweit bewegt mit ihrer Haltung, die sie wahrte, als sie und ihr Leben an das Licht der Öffentlichkeit gezerrt wurde. 

Überrascht waren wir davon, wie gut das Buch geschrieben ist. Das haben wir nicht erwartet. 

  

DAS Zitat:

"Die Scham muss die Seite wechseln." 

 

Wem verschenken?

Jeder/m 

 

Was bleibt nach dem Lesen?

 
Erschütterndes Schweigen und ein erstarrter Blick

 

Und wieder einmal:  

Ein besonderer Abend mit einem besonderen Gast. St. Huf. mit vielen Anregungen:

Andreas Pflüger - Wie sterben geht

 

Die Vorschläge zum nächsten Treffen am 01. Mai um c. t. 19
:00. 


A.B.: next time absent

D. E.: next time absent

P. P.: Rudger Bregman - Moralische Ambitionen 3.0

R. W.: Boris Akunin - Fandorin (erster Band)

K. M.: Yanis Varoufakis - Technofeudalismus - Was den Kapitalismus tötete

 

AND the winner is:  

Boris Akunin - Fandorin (übersetzt von Andreas Tretner)

Fandorin: Roman (Fandorin ermittelt, Band 1) : Akunin, Boris, Tretner,  Andreas: Amazon.de: Bücher 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Buch geht herum 03: (Idee von A. P :-)

Anke Feuchtenberger - Der Spalt

blieb bei in der Runde bei R.W. & P.P. 


 

 

 

15.2.26

WINDSCHIEF

 AHA!


7.2.26

WINDSCHIEF B129

Um welches Buch ging es am 06. 02. 26

Die Bestie von Paris und andere Geschichten
 

Wer hat es geschrieben? Marie-Luise Scherer  


Marie-Luise Scherer wurde 1938 in Saarbrücken geboren. Sie war eine deutsche Journalistin und Essayistin. Ihre Texte zeichnen sich durch präzise Beobachtung aus. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Ludwig-Börne-Preis. 

Marie-Luise Scherer starb 2022 in Hamburg. 

 

 

Der Inhalt: 

Scherer beherrscht die Kunst der Reportage. In diesem Buch sind es vier. Die Bestie von Paris, Der letzte Surrealist, Dinge über Monsieur Proust, Kleine Schreie des Wiedersehens. 

Am liebsten mochten wir: 

Die Bestie von Paris

In der längsten und titelgebenden Reportage rekonstruiert Scherer die Taten eines Serienmörders, der in den 1980er Jahren in Paris ältere alleinlebende Frauen ermordete. Ohne zu dramatisieren beschreibt sie sachlich, gekonnt und haargenau die letzten Wege der Opfer. Beängstigend gekonnt.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kleine Schreie des Wiedersehens

Hier schildert Scherer eine Reihe kurzer Szenen über das Wiedersehen mit Menschen der Pariser Modewelt. Sezierende Beobachtungen mit sehr viel Humor für die Essenz der Oberflächlichkeiten. Bravissimo.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fazit:

Die zwei anderen Geschichten fanden wir dröge. 

Insgesamt ist Scherers Stil geprägt von Haltung, Disziplin und Respekt vor der Wirklichkeit. Sie will nichts überwältigen, nichts verführen, nichts erklären, was sich zeigen lässt. Das macht die Texte anspruchsvoll, konzentriert und ungewöhnlich präzise. 

Man liest sie nicht schnell mal so weg und vergisst sie auch nur langsam - wenn überhaupt.

 

Falls verschenken? Wem?

Alle, die gern brilliant formulierte Reportagen lesen - aber auch den anderen. 

 

Was bleibt nach dem Lesen?
 

Erinnerung an die Opfer der Mörder und an die Modeopfer.

 

PS: Das Bonmot des Abends gehört J. K.: RoNelle

Was ist der Unterschied zwischen Roman und Novellle? Keine Ahnung. O.k., dann ist es eben eine RONELLE. 


Die Vorschläge zum nächsten Treffen am 06. März um c. t. 19
:00. 

 

J. K.: Dmitrij Kapitelman - Russische Spezialitäten

A. P.: Mariana Travacio - Ein Mann namens Loprede

D. E.: Sophie Hunger - Walzer für Niemand 

P. P.: Rudger Bregman - Moralische Ambitionen

R. W.: Timothy Snyder - Über Tyrannei

K. M.: Christof Hein - Der fremde Freund 

S. B.: Truman Capote - Sommerdiebe

A. B.: - next time absent (vermutlich)


UND der Gewinner ist:  

Dmitrij Kapitelmann - Russische Spezialitäten

 

Russische Spezialitäten

 

Ein Buch geht herum 01: Idee von A. P :-)

Anke Feuchtenberger - Der Spalt

heute ging es in der Runde an D. E. 


 

 

 

4.1.26

2026 - WINDSCHIEF B128

• 2026 •

  

Um welches Buch ging es am 02. 01. 26

Die Holländerinnen

 

Wer hat es geschrieben? 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dorothee Elmiger ist eine Schweizer Schriftstellerin, geboren 1985. Sie studierte Literatur am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel/Bienne und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig sowie Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft an der Universität Luzern und der Freien Universität Berlin. Elmiger lebte lange in Zürich und zog 2022 nach New York. 

Der Inhhalt in paar Sätzen oder worum ging es?  

In „Die Holländerinnen“ erzählt Dorothee Elmiger von einer Schriftstellerin, die im Rahmen eines Theaterprojekts mit einer Gruppe in den Dschungel Panamas reist, um die Spuren zweier junger niederländischer Frauen nachzugehen, die dort verschwunden sind. 

Fazit:

Selten waren die Meinungen so gespalten.

Diejenigen, die es mochten, argumentierten beispielsweise mit: 

„Es ist kein Roman, der etwas lösen will, sondern etwas offenlegt.” Es geht um die Gewalt des Erzählens selbst, um unsere Gier nach Geschichten und unsere Lust an fremdem Leid, solange es gut verpackt ist. Dieses Buch hält uns keinen Spiegel vor, sondern reißt ihn uns aus der Hand. Spannung und Ängste werden geschickt erzeugt.
 

Denjenigen, die es nicht mochten: 

Der Text sei eine Zumutung, der Konjunktiv sei unverdaulich und sperrig, es sei zu viel auf einmal gewollt, es komme kein einziger neuer Gedanke vor, die Geschichte sei uninteressant, die Autorin wolle um jeden Preis intellektuell sein, das sei unerträglich, statt Identifikation entstehe Distanz, statt Handlung gebe es eine permanente Selbstbefragung des eigenen Blicks. 

Wer hier nach True Crime sucht, bekommt Ethikunterricht. 

Im Grunde kann man sagen, dass genau das, was manche nicht mochten, von den anderen als großartig erachtet wurde.

Falls verschenken? Wem?

Für - weiß ich nicht! 

Was bleibt nach dem Lesen?


Schweigende Leere oder Begeisterung.

 

Die Vorschläge zum nächsten Treffen am 06. Februar um c. t. 19
:00. 

 

D. E.: Ursula Krechel - Vom Herzasthma des Exils

P. P.: Florentine Anders - Die Allee

R. W.: Marie-Luise Scherer - Die Bestie von Paris und andere Geschichten

A. B.: Caroline Wahl - Die Assistentin eigentlich das Gewinnerbuch, doch da manche/r von uns das Buch gerne gehört hätte, haben wir uns über die Hörprobe so sehr erschrocken (schlimm), dass wir uns dagegen entschieden haben. (Caroline Wahl hat es selbst gelesen.)

C. K.: - (next time absent)


UND die Gewinnerin ist:  

 Marie-Luise Scherer - Die Bestie von Paris  

Die Bestie von Paris und andere Geschichten