15.9.18

ÜBER MICHAEL ONDAATJE

Eine wunderbare Sendung von Dietrich Leube über Michael Ondaatje auf Lange Nacht - Deutschlandfunk Kultur.


13.9.18

WINDSCHIEF B62


Um welches Buch ging es am 07. September?

Verschwörung gegen Amerika


Philip Roth über Philip Roth:

Lassen wir ihn HIER über sich selbst erzählen. 

© Fuente - Reuters
















Erster Satz des Buches:
"Angst beherrscht diese Erinnerungen, eine ständige Angst."

Kurz zusammengefasst:
Ein Was-Wäre-Wenn-Roman = Dystopie: ein Faschist wird Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.  

Warum sollte man das Buch lesen?
auch der Satzschnipsel wegen - präzise wie eine Punktlandung.

"...und fixierte uns im Fadenkreuz ihres Wahnsinns..."

Gründe dafür:
- Brillante Schilderungen aus der Sicht eines neunjährigen Jungen
- kontrastreich skizzierte Charaktere

Gründe dagegen:
- für manche zu langatmig 
- die Vermischung dystopischer Elemente mit autobiographischen Schilderungen würden kein tragendes Fundament der Glaubwürdigkeit bilden und trivialisierten das viel zu wichtige und aktuelle Thema des Romans nämlich den wieder aufkeimenden Faschismus in unserer heutigen Zeit.

Unser Fazit:
Es gäbe wohl bessere Bücher des Autors - nichtsdestotrotz ist Philip Roth ein Schriftsteller, den man lesen muss.


Vorschläge zum nächsten Treffen am: 05.10.

J.K.


C.K.

U.J.

A.B.

S.B. 

P.P.

R.W.


Alles in allem war es ein wirklich bewegender und bestimmt für alle unvergesslicher Abend.


Letztendlich fiel die Entscheidung - trotz der 450 Seiten - auf:

Stanislaw Lem - Fiasko


30.8.18

DIE FÜNFTE JAHRESZEIT

Die schönste Zeit im Jahr, im Leben, im Jahr? Lassen Sie mich nachfühlen.
Frühling? Dieser lange, etwas bleichsüchtige Lümmel, mit einem Papierblütenkranz auf dem Kopf, da stakt er über die begrünten Hügel, einen gelben Stecken hat er in der Hand, präraffaelitisch und wie aus der Fürsorge entlaufen; alles ist hellblau und laut, die Spatzen fiepen und sielen sich in blauen Lachen, die Knospen knospen mit einem kleinen Knall, grüne Blättchen stecken fürwitzig ihre Köpfchen ... ä, pfui Deibel!... die Erde sieht aus wie unrasiert, der Regen regnet jeglichen Tag und tut sich noch was darauf zugute: ich bin so nötig für das Wachstum, regnet er. Der Frühling –?
Sommer? Wie eine trächtige Kuh liegt das Land, die Felder haben zu tun, die Engerlinge auch, die Stare auch; die Vogelscheuchen scheuchen, daß die ältesten Vögel nicht aus dem Lachen herauskommen, die Ochsen schwitzen, die Dampfpflüge machen Muh, eine ungeheure Tätigkeit hat rings sich aufgetan; nachts, wenn die Nebel steigen, wirtschaftet es noch im Bauch der Erde, das ganze Land dampft vor Arbeit, es wächst, begattet sich, jungt, Säfte steigen auf und ab, die Stuten brüten, Kühe sitzen auf ihren Eiern, die Enten bringen lebendige Junge zur Welt: kleine pipsende Wolleballen, der Hahn – der Hahn, das Aas, ist so recht das Symbol des Sommers! er preist seinen Tritt an, das göttliche Elixier, er ist das Zeichen der Fruchtbarkeit, hast du das gesehn? und macht demgemäß einen mordsmäßigen Krach ... der Sommer –? Herbst? Mürrisch zieht sich die Haut der Erde zusammen, dünne Schleier legt sich die Fröstelnde über, Regenschauer fegt über die Felder und peitscht die entfleischten Baumstümpfe, die ihre hölzernen Schwurfinger zum Offenbarungseid in die Luft strecken: Hier ist nichts mehr zu holen ... So sieht es auch aus... Nichts zu holen ... und der Wind verklagt die Erde, und klagend heult er um die Ecken, in enge Nasengänge wühlt er sich ein, Huuh macht er in den Stirnhöhlen, denn der Wind bekommt Prozente von den Nasendoktoren ... hochauf spritzt brauner Straßenmodder... die Sonne ist zur Kur in Abbazia ... der Herbst –?
Und Winter? Es wird eine Art Schnee geliefert, der sich, wenn er die Erde nur von weitem sieht, sofort in Schmutz auflöst; wenn es kalt ist, ist es nicht richtig kalt sondern naßkalt, also naß... Tritt man auf Eis, macht das Eis Knack und bekommt rissige Sprünge, so eine Qualität ist das! Manchmal ist Glatteis, dann sitzt der liebe Gott, der gute, alte Mann, in den Wattewolken und freut sich, daß die Leute der Länge lang hinschlagen ... also, wenn sie denn werden kindisch ... kalt ist der Ostwind, kalt die Sonnenstrahlen, am kältesten die Zentralheizung – der Winter –?
»Kurz und knapp, Herr Hauser! Hier sind unsere vier Jahreszeiten. Bitte: Welche –?«
Keine. Die fünfte.
»Es gibt keine fünfte.«
Es gibt eine fünfte. – Hör zu:
Wenn der Sommer vorbei ist und die Ernte in die Scheuern gebracht ist, wenn sich die Natur niederlegt, wie ein ganz altes Pferd, das sich im Stall hinlegt, so müde ist es – wenn der späte Nachsommer im Verklingen ist und der frühe Herbst noch nicht angefangen hat –: dann ist die fünfte Jahreszeit.
Nun ruht es. Die Natur hält den Atem an; an andern Tagen atmet sie unmerklich aus leise wogender Brust. Nun ist alles vorüber: geboren ist, gereift ist, gewachsen ist, gelaicht ist, geerntet ist – nun ist es vorüber. Nun sind da noch die Blätter und die Gräser und die Sträucher, aber im Augenblick dient das zu gar nichts; wenn überhaupt in der Natur ein Zweck verborgen ist: im Augenblick steht das Räderwerk still. Es ruht.
Mücken spielen im schwarz-goldenen Licht, im Licht sind wirklich schwarze Töne, tiefes Altgold liegt unter den Buchen, Pflaumenblau auf den Höhen ... kein Blatt bewegt sich, es ist ganz still. Blank sind die Farben, der See liegt wie gemalt, es ist ganz still. Boot, das flußab gleitet, Aufgespartes wird dahingegeben – es ruht.
So vier, so acht Tage –
Und dann geht etwas vor.
Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar nichts geändert – und doch alles. Es geht wie ein Knack durch die Luft – es ist etwas geschehen: so lange hat sich der Kubus noch gehalten, er hat geschwankt..., na ... na..., und nun ist er auf die andere Seite gefallen. Noch ist alles wie gestern: die Blätter, die Bäume, die Sträucher... aber nun ist alles anders. Das Licht ist hell, Spinnenfäden schwimmen durch die Luft, alles hat sich einen Ruck gegeben, dahin der Zauber, der Bann ist gebrochen – nun geht es in einen klaren Herbst. Wie viele hast du? Dies ist einer davon. Das Wunder hat vielleicht vier Tage gedauert oder fünf, und du hast gewünscht, es solle nie, nie aufhören. Es ist die Zeit, in der ältere Herren sehr sentimental werden – es ist nicht der Johannistrieb, es ist etwas andres. Es ist: optimistische Todesahnung, eine fröhliche Erkenntnis des Endes. Spätsommer, Frühherbst und das, was zwischen ihnen beiden liegt. Eine ganz kurze Spanne Zeit im Jahre.
Es ist die fünfte und schönste Jahreszeit.
(Kaspar Hauser alias Kurt Tucholsky - Die Weltbühne, 22.10.1929, Nr. 43 S. 631)

29.8.18

MIT JEDER SORTE PLEBS SICH ZU VERBRÜDERN

Erich Weinert 1933 - ©?




















DIE HAKENRUNE (1946)

Kaum war das tausendjährige Reich kaputt,
Da krochen sie behend, die Hakenrune
Rasch aus dem Knopfloch polkend, aus dem Schutt
Und machten, etwas vorschnell, auf Kommune.
Mit vollen Hosen standen sie parat,
Mit jeder Sorte Plebs sich zu verbrüdern,
Und drängelten sich vor, dem neuen Staat
Sich anzubieten oder anzubiedern.
Auf einmal gabs in Deutschland nichts als Opfer,
Bereit zum Eintritt in die Heilsarmee,
Und schon erschienen auch die Schulterklopfer
Und tremolierten ihr absolvo te!
Wer konnte wohl auf soviel Nachsicht hoffen!
Sie stiegen wieder ins Geschäft mit ein,
Denn alle Hintertüren standen offen,
Und jeder hatte den Entlausungsschein.
Sieg-Heil! Der erste Schock ist überwunden.
Die Amnestie begießt man auf Banketts.
Und man entschädigt sich für Schrecksekunden
Und sucht und findet Löcher im Gesetz.
Schon gehn die meisten wieder durch die Maschen.
Wie lange noch? Dann steht der Schießverein.
Denn statt das Land von Nazis reinzuwaschen,
Wäscht man die ganzen Nazis wieder rein.
Das darf sich heut schon wieder frech vermessen
Und sein Bedauern fassen ins Gebet,
Daß viel zu wenig im KZ gesessen
Und daß es nicht noch mal nach Moskau geht.
Das darf heut immer noch Soldaten spielen,
Wohin kein unberufenes Auge guckt,
Und lernt auf unbequeme Köpfe zielen,
Bereit zum Einsatz, wenn die Straße muckt.
Das läßt schon wieder Meuchelmörder frei,
Nach denen sie jahrzehntelang gefahndet,
Als ob inzwischen nichts geschehen sei.
Doch Fahnenflucht wird immer noch geahndet.
Das macht, im Schatten der Vergeßlichkeit,
In seiner Klaue noch den Stil von gestern,
Schon wieder sich in Leitartikeln breit,
Und darf, was heut sich redlich müht, verlästern.
Das darf sich wieder vor Kathedern flegeln
Und wird nicht gleich mit Prügeln relegiert.
Das spielt sich wieder auf nach Standesregeln,
Statt Schutt zu karren, wie es ihm gebührt.
Ja, haben dafür unsere kühnsten Herzen
Gekämpft, gelitten und ihr Blut verströmt,
Daß die, die wir geschworen, auszumerzen,
Heut nicht einmal mehr öffentlich verfemt?
Genauso hat es damals angefangen!
Und wo es aufhört, ist euch bekannt.
Verschlaft ihr noch einmal, die zu belangen,
Dann reicht bestimmt kein Volk uns mehr die Hand.
(Erich Weinert)
Zitiert nach Ernst Busch: Rote Lieder – Rote Gedichte. Erich Weinert. Aurora 5 80 029/30. Hrs. 1967, Nachaufl. 1972.

13.8.18

SCHENKT BÜCHER

© Hermann Eidenbenz ca. 1930

31.7.18

LIEBER FREUND



"Lieber Freund, was für ein Sommer!
Ich denke Sie mir im Zimmer sitzend, mehr Omelette als Mensch."

(Nietzsche)

18.7.18

14.7.18

MIT BÜCHERN REISEN

Hier klicken und sich auf die Reise begeben.

3.7.18

HERR KAFKA

© Andy Warhol - Franz Kafka









"Von einem gewissen Punkt an gibt es keine Rückkehr mehr. Dieser Punkt ist zu erreichen."

(Franz Kafka *03. Juli 1883)

21.6.18

MONSIEUR SARTRE

"If you're lonely when you're alone, you're in bad company."


(J. P. Sartre)

8.6.18

DER JUNI

Der Juni

Die Zeit geht mit der Zeit: Sie fliegt.
Kaum schrieb man sechs Gedichte,
ist schon ein halbes Jahr herum
und fühlt sich als Geschichte.


Die Kirschen werden reif und rot,
die süßen wie die sauern.
Auf zartes Laub fällt Staub, fällt Staub,
so sehr wir es bedauern.


Aus Gras wird Heu. Aus Obst Kompott.
Aus Herrlichkeit wird Nahrung.
Aus manchem, was das Herz erfuhr,
wird, bestenfalls, Erfahrung.


Es wird und war. Es war und wird.
Aus Kälbern werden Rinder
und, weil's zur Jahreszeit gehört,
aus Küssen kleine Kinder.


Die Vögel füttern ihre Brut
und singen nur noch selten.
So ist's bestellt in unsrer Welt,
der besten aller Welten.


Spät tritt der Abend in den Park,
mit Sternen auf der Weste.
Glühwürmchen ziehn mit Lampions
zu einem Gartenfeste.


Dort wird getrunken und gelacht.
In vorgerückter Stunde
tanzt dann der Abend mit der Nacht
die kurze Ehrenrunde.


Am letzten Tische streiten sich
ein Heide und ein Frommer,
ob's Wunder oder keine gibt.
Und nächstens wird es Sommer.


(Erich Kästner)

FREITAGSBILD

© RU

4.6.18

WINDSCHIEF B61

Um welches Buch ging es am 01. Juni?



Über den Autor selbst:

Ein in Palo Alto, Kalifornien, USA - lebender, schreibender, praktizierender Psychiater und Psychotherapeut.  



Kurz zusammengefasst:
Das Buch beinhaltet Fallgeschichten aus Yaloms jahrzehntelanger Praxis als Pyschotherapeut.

Warum sollte man das Buch lesen?
Wenn man mehr über die Arbeit eines Therapeuten erfahren möchte und Interesse an Menschen hat, die versuchen den Widrigkeiten des Lebens zu trotzen, indem sie sich auf den oft so schmerzhaften Pfad einer Psychotherapie begeben.

Zitat des Autors:
"Ich arbeite nicht gerne mit Patienten, die verliebt sind. Vielleicht ist es Neid. Auch ich sehne mich nach dem Zauber der Verliebtheit. Vielleicht weil Verliebtheit und Psychotherapie im Grunde unvereinbar sind. Der gute Therapeut bekämpft die Dunkelheit und und sucht Erleuchtung, während die romantische Liebe alles verklärt und genauer Prüfung nicht standhält. Ich hasse es, der Henker der Liebe zu sein."
Unser Fazit:
Ein Buch, das in den Abgrund der menschlichen Seele blicken lässt. Gekonnt konstruiert und gewusst wie man als Autor Spannung und Interesse erzeugt.
"Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein."
(Nietzsche) 


Aus folgenden Vorschlägen

P.P.

R.W.

S.B.
Rebeccas Töchter - Dylan Thomas

D.E.

K.M.


fiel letztendlich unsere Entscheidung auf ... TATAAAAAAA

Philip Roth - Verschwörung gegen Amerika



Nächstes Treffen - nach der Sommerpause - ist am 

07. September
Ort: bekannt
Zeit: 19:00 c.t.

10.5.18

WIR VERGESSEN NICHT

Heute am 10. Mai 1933 - also vor 85 Jahren - begannen die Bücherverbrennungen in Deutschland.

GEDENKTAFEL BEBELPLATZ IN BERLIN


Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.
(Heinrich Heine)

Liste verbotener AutorInnen.

8.5.18

WINDSCHIEF B60

Das Buch vom 04. Mai

Die Kehrseite des Himmels - aus dem Russischen übersetzt von Ganna-Maria Braungardt.




















Warum sollte man das Buch lesen? 
Weil es tatsächlich immer wieder den heiligen Kram des Lebens offenbart. 

Über die Autorin:
Ljudmila Jewgenewna Ulitzkaja ist 75 Jahre alt und eine der bekanntesten, russischen Schriftstellerinnen heute. Bevor sie zu schreiben begann, arbeitete sie als Biologin (Genetikerin). Ulitzkaja lebt in Moskau. 

Kurz zusammengefasst:
40 verschiedene Texte zu persönlichen Themen aus Ulitzkajas Leben. Aber eines haben sie immer gemeinsam - das Politische. Auch wenn es um Liebe und Tod geht.

Atmosphäre:
lebensklug und ehrlich

Erste Geschichte - der Anfang 
Meine große Anhänglichkeit an Dinge - an ihre Geschichte, ihre Herkunft, Ihre Geburt und ihren Tod - ließ mich in eine Karton alles sammeln, wovon ich mich schwer trennen konnte:

Und wir? Was dachten wir über dieses Buch? 
Die einzelnen Texte sind durchaus unterschiedlicher Qualität, doch gewähren sie uns viele Einblicke in und Ausblicke auf unser Leben.




zum nächsten Treffen am 01. Juni um 19:00 c.t. 
lesen wir 

Irvin D. Yalom - Die Liebe und ihr Henker

























Zum 01. Juni, kann man, muss aber nicht, ein dickeres Buch vorschlagen - da wir beschlossen haben im Juli und August eine Sommerpause zu machen.

9.4.18

WINDSCHIEF B59

Um welches Buch ging es am 06. April?

Satin Island








Über den Autor Tom McCarthy:

1969 geborener, britischer Künstler und Autor, der in London lebt.
Photo © von Christopher Gabello

Erster Satz:

1.1 In Turin wird das berühmte Grabtuch aufbewahrt, das einen Abdruck der Leiche Christi nach Kreuzigung zeigt: auf dem Rücken liegend, die Hände über dem Geschlecht verschränkt, die Augen geschlossen, der Kopf dornengekrönt.


Kurz zusammengefasst:

U., so der Name des Protagonisten, soll in dem Weltkonzern, wo er als Anthropologe arbeitet, den "Großen Bericht" verfassen. U. selber weiß nicht genau, was er und es soll. Dazwischen wird präzise beobachtet, geredet und gevögelt.

Warum sollte man das Buch lesen?

Wegen eines Satzes wie:
Na ja, und jetzt bin ich kurz davor, die Mutter, die Scheißmutter aller Erfahrungen kennenzulernen - und es wird mir nicht möglich sein, drüber zu berichten! (hier ist das Sterben gemeint)

Atmosphäre:

schwer lesbare Suche nach Bedeutung - allemal ein Abenteuer - wie Tom McCarthy die Welt sieht - speziell


Zitat des Autors:

“Satin Island, like all books, contains hundreds of borrowings, echoes, remixes and straight repetitions. To list them all would take up as much space as the text itself. The critical reader can entertain him- or herself tracking some of them down, if he or she is that way inclined.” 

Unser Fazit:

Es werden immer wieder interessante Themen angefasst, die leider an der Oberfläche zu Eis erstarren. 
Der Kein-Roman verspricht mehr, als er hält - doch immer wieder entdeckt man eine Satzperle.  


Special thanks:
Großes Kompliment an den sowieso sehr besonderen Thomas Melle, der das Buch meisterhaft übersetzte. 


A.B.
James Baldwin - Giovannis Zimmer

R.W.
Ljudmila Ulitzkaja - Die Kehrseite des Himmels

S.B.
Italo Calvino - Herr Palomar

P.P.
Georges Simenon - Maigret und sein Revolver

D.E.
-
C.K.
-
U.J.
-

Die Wahl fiel
auf - Die Kehrseite des Himmels
von - Ljudmila Jewgenjewna Ulitzkaja





unser nächstes Treffen ist am 04. Mai um c.t. 19:00 

26.3.18

MONDAY



Keep the fire burning!

20.3.18

18.3.18

SUNDAY WITH GROUCHO MARX

"Outside of a dog, a book is a man's best friend.
Inside of a dog it's too dark to read."

(Groucho  Marx)

5.3.18

WINDSCHIEF B58

Im Monat Februar lasen wir Michael Köhlmeiers Buch - Der Mann, der Verlorenes wiederfindet 



- und das kam bei unserem Treffen am 02.03. dabei heraus.


















Über den Autor gibt es hier einen Film


Zum Buch - kurz zusammengefasst:

Eine Novelle über das Sterben des Heiligen Antonius


Einige Zeilen daraus:

Sie waren nun weit draußen, wo kein Wasser mehr am Weg entlang verlief. Der Abt trat mit seinen Sandalen die Sträucher nieder und trampelte einen Platz frei, wo sie sich hinsetzen konnten. Hier waren Wackersteine, über die das Moos wuchs; darauf setzten sie sich. In ihren weißen Kutten sahen sie aus wie zwei Schwäne, die sich im Unterholz versteckten, was ihnen aber nicht gelang, denn Schwäne sind auf der Welt, damit alle Welt sie sähe.

Unser Fazit:
kann man sich sparen - Zeitverschwendung - ein Buch, das man nicht verschenken kann

Nun, selten waren wir uns so einig, dass man in diesem Buch gar nichts Interessantes gefunden hat. Es darf uns also ruhig verloren gehen. 


Vorschläge zum nächsten Treffen am 06. April 
Zeit: 19 Uhr c.t.
Ort: bekannt

R.W. 
Rebecca Solnit - Wenn Männer mir die Welt erklären

P.P.
Tom McCarthy - Satin Island

S.B.
Imre Kertész - Roman eines Schicksallosen

C.K.
Richard Russo - Diese alte Sehnsucht

D.E.
Peter Wawerzinek - Ich Dylan Ich

U.J.
Jurek Becker - Amanda herzlos

A.B. 
Isaac B. Singer - Schoscha


Und die Wahl fiel auf: 

TOM McCARTHY - SATIN ISLAND

Bildergebnis für Tom McCarthy - Satin Island

1.3.18

MÄRZ

Der Nachtschnee färbt die Straße blau.
Schwarz wächst der Wald am Weg empor,
streckt kahles Ästewerk hervor 
wie drohende Wehr aus Feindesbau.

Wer hat den feuchten Schnee gehäuft?
Wer hat den Himmel grau verdeckt?
Wer hat den irren Fuß geschreckt,
dass er in lauernde Ängste läuft?

Das ist der März: der drückt und droht.
Das ist die Schwangerschaft der Welt.
Das ist, vom Frühlingsdunst zerspellt,
des Winters röchelnde Sterbensnot. 

(Erich Mühsam )

6.2.18

WINDSCHIEF B57

Um welches Buch ging es am ?

Der Report der Magd

Über die Autorin:

Margaret Atwood, geboren in Ottawa 1939, ist eine kanadische Autorin.


Margaret Atwood 1966





















Kurz zusammengefasst:

In nicht allzu ferner Zukunft. 

Frauen sind unfruchtbar. Die meisten Männer steril. Die Umwelt toxisch. Und dann passiert es, dass mitten in den U.S.A der Präsident von christlichen Fundamentalisten erschossen wird. Der Kongreß wird aufgelöst und es entsteht eine neue Republik Gilead. Ein totalitärer Staat in dem Frauen entrechtet und versklavt werden. Die Frau ist wieder Magd und dem Manne untertan. Doch sind es auch die Frauen, die als Mittäterinnen diesen Staat am Laufen halten müssen. Diejenigen, die noch Kinder bekommen können werden dazu gezwungen, als gebärfähige Nebenfrau zu fungieren. Die Hauptfigur Desfred erzählt uns ihre Geschichte. 

Warum sollte man das Buch lesen?

Margaret Atwoods Sprache ist ein Wurfgeschoss. Prägnant und treffsicher.

Die Autorin selbst: "Mein Buch handelt von Macht und davon, wie sie funktioniert. Die fundamentalistische Rechte ist das Banner unter dem am ehesten sich irgendwelche Leute formieren könnten, die eine solche Machtergreifung anstreben."

Atmosphäre:


Die stets einer drohenden Lebensgefahr.


Zitat aus dem Werk:


Ich  werde mich darum kümmern, sagte Luke. Und weil er darum sagte statt um sie, wusste ich, dass er meinte: Ich werde sie töten. Genau das musst du tun, bevor du tötest, dachte ich: Du musst ein es erschaffen, wo es vorher keines gegeben hat. Das tust du zuerst im Kopf, und dann führst du es aus. So also machen sie es, dachte ich.

    Unser Fazit:

Der Report überzeugte die meisten von uns - bis auf zwei. Selten hat uns ein Buch aber so stark emotional debattieren lassen. Wir fanden die Geschichte spannend, sehr gut entwickelt und die Charaktere ausgefeilt. Prototypen, die in jeder Diktatur vorkommen. Jedenfalls bietet dieses Buch viel politischen Stoff zum Besprechen und Nachdenken und ist bis zur letzten Seite spannend.

P.S. Wir haben uns gefragt warum jemand aus dem Originaltitel The Handmaid's Tale, tale bedeutet wohl Erzählung, einen Report machen musste? Der Report der Magd ist nicht besser oder interessanter als Die Erzählung der Magd. Warum überhaupt verändern? 



Aus Atwoods Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreises 2017:


"... als ich ein Kind war und in der Wildnis im Norden Kanadas aufwuchs, fernab von den Dörfern und Ortschaften und Städten, aber ziemlich dicht dran an den Kaninchen und Wölfen. Wenn es dort oben regnete, gab es drei Formen der Beschäftigung: Schreiben, Zeichnen oder Lesen. Unter den Büchern, die ich las, waren die gesammelten Grimms Märchen – mitsamt ausgepickten Augen und rotglühenden Schuhen. Meine Eltern hatten das Buch mit der Post bestellt, und als sie sahen, was drin stand, befürchteten sie, es könne ihre Kinder verderben. Was wohl bei mir der Fall war. Es muss mich in diejenige Richtung verdorben haben, Schriftstellerin zu werden, denn ohne Grimms Märchen – so clever, so fesselnd, so komplex, so gruselig, so vielschichtig, doch stets mit einer Endnote der Hoffnung, die einem das Herz bricht, weil sie so unwahrscheinlich ist, wie hätte ich sonst jemals – Sie ahnen, was jetzt kommt –, wie hätte ich sonst jemals den "Report der Magd" schreiben können?"

Hier ist Atwoods sehr interessante Rede nachzulesen - ganz am Schluß auch als Audiodatei




Die Vorschläge für das nächste Treffen

P.P.

A.P.

U.J.

A.B.

J.K.

C.K.

D.E.

R.W.

S.B.


Die Wahl fiel auf:


























Das nächste Treffen ist am:

2. März um 19:00  c.t. 

Ort ist bekannt